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Stingers
Stinger-Raketen: Raketen ohne Stab, die sich durch Rotation stabilisieren

Warnung:
Verbrauchsmaterialien:
Werkzeuge etc.:
The Pyrotechnician weist darauf hin, dass in Deutschland die Herstellung von pyrotechnischen Mischungen ausserhalb von zugelassenen Firmen verboten ist.
  • Papprohr mit Innendurchmesser 25mm, Wandstärke mind. 3mm
  • Kaliumnitrat
  • Eisen(III)-oxid (rotes Eisenoxid)
  • Sorbit oder Haushaltszucker
  • Bentonit o.ä. Ton-Pulver
  • Rundholz, Durchmesser 25mm
  • Green-Visco-Zündschnur
  • (Wattestäbchen)
  • (Wasserglas (Natriumsilicat-Lösung))
  • (Titanpulver)
  • (Effektsatz)
  • (Handcreme o.ä.)
  • Raketentool 25mm
  • Nagel, länger als 9cm.
  • Kleines Holzbrett
  • Holzleim
  • evtl. Skalpell o.ä.
  • Schlagmesser-Kaffeemühle
  • Waage
  • Presse/Schraubstock/Schraubzwinge o.ä.
  • (kleiner Nagel)
Bau der Raketen:
Bei Stinger-Raketen handelt es sich um kleine Raketen, die eine Besonderheit aufweisen: Sie besitzen weder ein Leitwerk noch einen Leitstab. Stattdessen haben sie eine kleine seitliche Düse, die die Rakete in Rotation versetzt und so stabilisiert.
Effektive Stinger-Raketen können aus Papprohren mit einem Innendurchmesser von 25mm mit dem normalen 25mm-Raketentool (siehe Artikel: "Raketen-Tools") hergestellt werden. Allerdings sollte das Papprohr eine recht große Wandstärke haben; umso dicker, umso besser ist der Gasstrom gerichtet, und umso stabiler die Rotation. Papprohre mit einer Wandstärke von 3mm funktionieren auf jeden Fall, über geringere Wandstärken ist mir nichts bekannt.
Zuerst wird von dem Papprohr ein ca. 7cm langes Stück abgesägt und dieses an den Enden von Papierfetzen u.ä. befreit. Dann wird an dem Papprohr durch Vergleich mit dem Raketentool markiert, wo die Düse beginnt, und wie dick schätzungsweise Ton eingepresst werden soll. Knapp überhalb dieser zweiten Markierung wird dann mit der Stinger-Bohrhilfe (siehe Artikel: "Stinger-Tool") ein Loch gebohrt: Dazu wird das Papprohr in den Winkel gepresst und durch das Loch in der Bohrhilfe ein Loch in das Papprohr gebohrt. dadurch ist gewährleistet, dass das Loch tangential gerichtet ist, und so die Rakete tatsächlich in Rotation versetzen kann.
Die im folgenden beschriebene Behandlung mit Wasserglaslösung kann auch unterbleiben, verbessert aber die Feuerbeständigkeit der seitlichen Düse und dadurch etwas die Effektivität der Rakete.
Soll das Papprohr behandelt werden, so wird mit einem Wattestäbchen in und um das Bohrloch von innen und außen etwas Wasserglaslösung aufgetragen. Überschüssige Lösung, große Tropfen etc. werden mit der trockenen Seite des Stäbchens wieder entfernt. Außerdem wird mit einem kleinen Nagel o.ä. dafür gesorgt, dass das Loch selber nicht durch Wasserglas verschlossen ist. Nun sollte das Papprohr einen Tag trocknen.
Nun werden 15g Kaliumnitrat abgewogen und in der sauberen Kaffeemühle fein gemahlen. Dann werden 10g Sorbit oder Zucker sowie ca. 0,2g Eisenoxid abgewogen. Beides wird zum Kaliumnitrat gegeben und vermahlen. Achtung: Es handelt sich um eine pyrotechnische Mischung, Vorsichtsmaßnahmen (Schutzkleidung etc.) beim Mahlen treffen! Anschließend können noch ca. 1,2g Titanpulver zugegeben werden, wobei besonders Korngrößen von ca. 150 - 250µm geeignet sind. Achtung: Mit Titan darf die Mischung auf keinen Fall gemahlen werden! Titan erzeugt beim Mahlen starke Funken! Aus diesem Grund darf eine Titan-haltige Mischung auch niemals eingeschlagen, sondern nur eingepresst werden! Damit ist der Treibstoff fertig vorbereitet.
Nun wird falls notwendig das Bohrloch in dem Papprohr auf der Innenseite mit dem Skalpell entgratet, dann wird das Papprohr auf das Raketentool gesetzt. U.U. lässt sich die Rakete später einfacher vom Tool abziehen, wenn dieses mit sehr wenig Creme etwas eingefettet wird. Jetzt werden ca. 3-4 Spatel Bentonit eingepresst; dann wird die Zündschnur ein kleines Stück durch das Loch gesteckt und etwas Treibstoff in das Rohr gefüllt. Durch das Pressen hält dieser dann die Zündschnur automatisch fest. In kleinen Portionen à ca. 4 Spatel Treibstoff wird dann das Papprohr bis ungefähr 1cm unter den Rand mit Hilfe der Schraubzwinge/Presse mit Treibstoff voll gepresst.
Schließlich wird die Rakete mit einem Endverschluss versehen. Dazu wird sie vom Tool abgezogen; dann wird ein passendes Stück des Rundholzes abgesägt (zum Abmessen einfach in das Papprohr schieben und notwendige Länge markieren). Auf das Rundholzstück wird dann rundum Holzleim aufgetragen und das Holzstück dann in das Papprohr geschoben. Nach dem vollständigen Aushärten des Leims (ca. 24 Stunden) ist die Stinger dann fertig zum Abschuss.
Bei der Verwendung von Holz zum Verschließen des Papprohrs darf keinesfalls eine schnellere Mischung als der Sorbit-Antrieb verwendet werden! Aus Sicherheitsgründen sind Pappverschlüsse oder z.B. Feinmakulatur/Wasserglas-Verschlüsse (siehe Artikel: "Fontänen") vorzuziehen, um gefährliche Splitter o.ä. zu vermeiden.
Effektsatz:
Soll die Stinger mit einem Effektsatz versehen werden, so wird nicht direkt der Holzstopfen eingesetzt. Um genug Platz zu haben, wird ein etwas längeres Papprohr verwendet, so dass beim Einpressen ca. 2,5cm im Papprohr oben frei bleiben.
Mit einem kleinen Stück Papier wird das obere Ende der Seele dann leicht verschlossen, so dass der geschmolzene Verzögerungssatz beim Einfüllen nicht hinein laufen kann. Dann werden ein paar Gramm einer 65:35-Mischung von Kaliumnitrat und Sorbit vorsichtig eingeschmolzen und ca. 1cm hoch ohne Luftblasen in das Papprohr gefüllt. Nach dem Aushärten wird darauf dann z.B. etwas Flash gegeben und das Papprohr schließlich wie gehabt mit einem Holzstopfen verschlossen.
Dabei dient die eingegossene KNO3-Mischung als Verzögerung für die Zündung des Flashs. Gut macht sich auch Flash mit ca. 5% groben Titanspänen zugesetzt oder eine farbige Flash-Mischung (siehe "Mischungen"). Selbstverständlich sind auch andere Effekt möglich, soweit die Kapazitäten der Stinger ausreicht.
Die Abschussbasis:
Zum Abschuss fehlt nun nur noch die passende Startvorrichtung. Dazu wird einfach der 9cm-Nagel von unten durch ein Holzbrettchen geschlagen. Dann wird die Rakete auf dem Nagel positioniert, indem der Nagel einfach in die Seele der Rakete geschoben wird. Der Nagel sollte nicht zu dick sein, und ausreichend lang, so dass sich die Stinger ohne Berührung des Brettchens frei drehen kann.
Nun wird einfach die Zündschnur entzündet; nach kurzem Beschleunigen der Rotation zündet der Treibstoff durch und die Stinger steigt auf. Bei Zusatz von Titanpulver zieht sie dabei einen schönen silbernen Schweif mit sich.
Achtung! Stinger-Raketen fliegen u.U. auch nahezu waagrecht weite Strecken in geringer Höhe oder taumeln über den Boden. Dies ist ein prinzipielles Problem der Konstruktion, die nur geringere Bahnstabilität ergibt. Daher sind immer besondere Sicherheitsabstände einzuhalten und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen! Inbesondere muss die Abschussbasis absolut waagrecht stehen, da sonst die Rotation gestört ist.

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